Dieses Jahr bin ich ihn nun endlich einmal gelaufen, den Frankenweglauf in der Fränkischen Schweiz, oder besser gesagt ich bin die Halbmarathon Distanz gelaufen. In den letzten Jahren hatte ich mich aus verschiedenen Gründen immer wieder gegen diesen Lauf entschieden, doch irgendwann muss man mal über seinen eigenen Schatten springen.

Angemeldet hatte ich mich bereits im Januar, um hier zusammen mit Johannes und Thomas zu laufen. Doch wie das Leben so spielt standen Sonntag Morgen um 9:30 Uhr nur Johannes und ich am Start um die 21,8 km. Leider konnte Thomas nicht teilnehmen. Doch der nächste gemeinsame Wettkampf kommt bestimmt.

Wer die Fränkische Schweiz etwas kennt, der weiß, dass 21,8 km hart werden können, auch wenn es nur ein popeliges Mittelgebirge ist. Die Strecke sollte 3,5 Anstiege für uns parat halten, bei denen ungefähr 550 Höhenmeter zu erklimmen waren. Noch dazu waren uns für den Tag ein wolkenloser Himmel und bis zu 29 Grad vorhergesagt, also optimale Bedingungen um auch richtig ins schwitzen zu kommen.

Kurz vor 9:30 Uhr gab es zuerst ein paar Worte vom zweiten Bürgermeister von Gößweinstein und dann noch ein paar Informationen zur Strecke von Michael Cipura dem Veranstalter. Lobend ist auch hier zu erwähnen, dass das Thema Umweltschutz auch bei solchen Läufen immer präsenter wird. So sollen hier spätestens ab dem nächsten Jahr keine Einwegbecher mehr verwendet werden und auch dieses Jahr war die Anzahl der Einwegbecher schon sehr begrenzt worden. Wenn man sich so um die Natur besorgt zeigt und auch kümmert, verstehe ich leider nur nicht, warum man als Streckenmarkierung eine nicht abwaschbare Lackfarbe verwendet. Und leider wurde diese nicht nur auf dem Straßenteer verwendet, sondern auch auf Felsen und Bäumen. Hier sollte man unbedingt endlich mal umdenken und Produkte wie Fähnchen oder Sprühkreide verwenden. Meine Hinweise von vor zweit Jahren hatten leider keine Wirkung.

Doch kommen wir zum Start. Pünktlich um 9:30 Uhr wurden die ca. 170 Läufer auf die Strecke gelassen und die Spitze des Feldes legte gleich eine ordentliche Pace vor und war nach der Steigung direkt nach dem Start sofort ein paar 100 Meter weiter vorne weg. Ich selber wollte diese erste Steigung eigentlich langsam angehen doch mit mir gingen mal wieder die Race-Pferde durch und so absolvierte ich den ersten Kilometer in 4:52 Minuten. Dadurch hatte ich mich zwar ganz gut einsortiert, doch musste ich jetzt einen ruhigeren Rhythmus finden, um mich nicht gleich komplett zu zerstören. So ging ich den Downhill zur Püttlach hinunter etwas verhaltener an und fand eine angenehme Pace.

Die weiteren Kilometer verliefen immer etwas oberhalb des Flusses und der dort ebenfalls verlaufenden Bundesstraße. Es war ein leicht welliger schmaler Singeltrail, so wie man ihn sich wünscht. Nach insgesamt 5 km standen knapp 25 Minuten auf meiner Uhr. Bis jetzt war alles nach Plan verlaufen, doch spürte ich wie mir so langsam die Wärme zusetzte. Jetzt wurden die Auf und Ab’s immer etwas heftiger und ich musste stellenweise Stufen hinauf gehen und kam immer mehr aus dem angenehmen Laufrhythmus.

Nach knapp 6 km erreichten wir Pottenstein und somit den Startpunkt der 15 km Läufer. Diese hatten noch etwas Zeit bis zu Ihrem Start und so standen sie Spalier am Streckenrand und feuerten jeden einzelnen Läufer an. Zum Glück kam kurz darauf auch noch eine Verpflegungsstelle, wo ich wieder nur mein Cappy nass machte und mir das kühle Wasser über den Nacken laufen ließ. Getränke nahm ich hier wieder keine, da ich mit meinem Trinkrucksack unterwegs war und somit versorgt war.

Die Strecke führte uns auf teils schmalen Pfaden am aktuell leider geschlossenen Pottensteiner Felsenbad und der Teufelshöhle vorbei. Kurz bevor wir die 10 km Marke passierten, verließen wir an der Schittersmühle das Tal. Jetzt ging es noch für ein paar hundert Meter relativ flach weiter bis zur Mittelmühle, wo der Weg dann kurze Zeit später das erste Mal steil wurde. Die wenigen Höhenmeter und die steigenden Temperaturen setzten mir immer mehr zu und ich versuchte hier möglichst gleichmäßig „zügig“ zu gehen.

Die Verpflegungsstelle in Kirchenbirkig kam mir da wie gerufen, aber so langsam kam es mir so vor, als ob selbst das kalte Wasser keinen Effekt mehr haben würde. So machte ich mich wieder auf den Weg, um den kurze Zeit später anstehenden ganz leichten Anstieg in Angriff zu nehmen. Dieses 1 km lange Teilstück führt über einen geschotterten Weg ganz langsam bergauf. Das Böse war der lockere Schotter, der bei jedem Tritt etwas nachgab und die Sonne, die hier erbarmungslos auf einen herunter brannte. Ich war sehr froh als ich endlich den Wald erreichte und spürte sofort die kühlere Luft.

Die folgenden zwei Kilometer verliefen wieder ganz leicht bergauf und als wir endlich mal wieder für 2 km bergab laufen durften, lief es plötzlich wieder richtig gut. Meine Beine fühlten sich gut an und auch mein Puls hatte mal etwas Zeit sich zu erholen. Doch es war klar, gleich würde es wieder nach oben gehen. Zwei Steigungen lagen noch vor uns. Die Erste fast hoch bis zum Schlossberg und dann noch mal auf einem kurzen Stück gute 40 Höhenmeter hoch.

Kaum war ich am ersten Anstieg, verflog der lockere Laufstil und ich kämpfte mich mehr den Weg nach oben. Zu diesem Zeitpunkt war ich in einer kleinen 4er Gruppe unterwegs und es schien allen gleich gut bzw. schlecht zu gehen. Wir trieben uns gemeinsam den Berg hoch und als wir fast oben waren wurden wir plötzlich von der führenden Frau vom 15 km Lauf locker flockig überholt! Mein einziger Trost war, dass sie maximal halb so alt war wie ich. Aber ehrlich gesagt wäre ich auch zu gerne so locker den Anstieg hoch „geflogen“.

Doch auch unsere 4er Gruppe schaffte die letzten Meter und kaum waren wir oben angekommen ging es auch schon wieder herab. Der 19te Kilometer ging nur bergab und dauerte nur 4:53 Minuten. Dieser Kilometer war gut für die Beine und den Kopf, die Beine wurden wieder lockerer und dem Kopf war klar, dass nur noch ein Anstieg kommen würde.

Also noch mal einen Kilometer hoch kämpfen, teilweise laufend, teilweise gehend und kurz vor dem letzten höchsten Punkt machte es wieder klick und die Beine wollten schneller laufen. So konnte ich die letzten 800 Meter noch einmal genießen. Ich ließ die restliche Gruppe hinter mir und war froh als ich endlich die Ziellinie überquerte.

Für diese 21,7 km mit seinen ca. 550 Höhenmetern hatte ich 2:14:38 gebraucht. Keine überragende Zeit, aber bei der Wärme (im Ziel ca. 29 Grad) ganz ok.

Im Anschluss habe ich dann noch auf Johannes gewartet, der ein paar Minuten später ins Ziel kam. Wir genossen noch den einen oder anderen Plausch und das kühle alkoholfreie Weißbier bis wir uns wieder auf den Heimweg machten.

Jetzt erstmal etwas regenerieren und dann geht das Training wieder los. Als nächstes steht der 30 km Trail beim Maintal Ultra am 13.07.2019 auf dem Programm.

Bis dahin … keep on running!