Normalerweise schaffe ich es hier einfach drauf los zuschreiben und meine Eindrücke und Erlebnisse vom Lauf zu formulieren. Doch will ich beginnen meinen Bericht für den Taunus Ultratrail zu schreiben, kommen mir so viele Bilder und Erlebnisse von diesem Wochenende in den Kopf, dass ich mich immer wieder sortieren muss.

Der Taunus Ultratrail ist ein Einladungslauf, an dem insgesamt maximal 40 Läufer starten dürfen. Unterschieden wird hier zwischen zwei Streckenlängen, die lange Strecke ich ca. 70km und hat etwas über 2000hm und die kurze Strecke sind 50km und diese hat dann ca. 1600hm. Es handelt sich um eine Oneway-Strecke, bei welcher man vom Zielpunkt aus mit einem Bus zum Startpunkt gebracht wird. Wer die 70km laufen möchte, steigt in Butzbach aus und wer nur 50km laufen möchte bleibt einfach im Bus sitzen und steigt am ersten Verpflegungspunkt aus, der somit gleichzeitig der Start für die 50km ist. Aus Sicht der Läufer der langen Strecke, gibt es offiziell insgesamt 3 Verpflegungspunkte, die sich gleichmäßig über die Strecke verteilen. Das schöne an dieser Veranstaltung ist, dass der Veranstalter anbietet, bereits am Vortag anzureisen und am Abends noch gemütlich zusammen zu sitzen.

Doch kommen wir jetzt langsam mal zum eigentlichen Wochenende des Laufes und starten mit der Anreise am Freitag.

Wie schon in einigen meiner vorherigen Blogbeiträge erwähnt, habe ich diesen Lauf von vornherein so geplant, dass ich zusammen mit Thomas vom running-podcast.de laufe. Da wir beide ein paar Kilometer Anreise hatten, haben wir sehr gerne die Option mit der Übernachtung im Ziel-Hotel gewählt und sind ganz bequem am späten Nachmittag des Vortages angereist. Da ich wieder erwarten sehr wenig Freitagsverkehr auf der Autobahn hatte, war ich fast einer der Ersten, der am Hotel eintrafen.

Bert und Jessyca, die Veranstalter dieses Laufes, waren noch dabei alles vorzubereiten. So habe ich erstmal mein Zimmer bezogen und mein Laufequipment im gesamten Zimmer ausgebreitet. Was man nicht alles dabei hat und dann doch nicht braucht.

Doch es dauerte nicht lange bis ich eine Nachricht bekam, dass Thomas auch angekommen ist. Die Freude war auf beiden Seiten groß, sich nach fast einem Jahr mal wieder persönlich zu treffen.

So langsam trafen auch die anderen Teilnehmer ein, die ebenfalls im Hotel übernachteten. Am Ende hatten sich ca. 20 Läufer versammelt und an jedem Tisch wurde über andere Läufe gefachsimpelt und Erfahrungen ausgetauscht. Für einen Nichtläufer wäre es ein Horrorabend gewesen, für uns war es jedoch das pure Gegenteil. Wie oft hat man schon die Möglichkeit sich in Ruhe mit Menschen zu unterhalten, die genau so verrückt wie man selber ist. Und Ultraläufer sind da glaube ich noch einmal etwas anders als andere Läufer, so genehmigt man sich auch am Vorabend eines Laufes noch mal 1-2 gemütliche Bierchen, natürlich nur um besser schlafen zu können.

Aber ich war hier sehr vernünftig und bin gegen 20:30 Uhr auf mein Zimmer verschwunden, um noch letzte Vorbereitungen für den Lauf zu treffen und möglichst früh zu schlafen.

Um 6:00 Uhr ging dann der Wecker … es war Ultratrail-Tag … ein Tag auf den ich mich 10 Wochen vorbereitet hatte. Die Nacht ging vom schlafen her so, trotzdem fühlte ich mich top fit. Schnell fertig gemacht und auf ging es zum gemeinsamen Frühstück, an dem alle Läufer teilnahmen, auch die, die nicht im Hotel übernachtet hatten. Hier hieß es noch einmal ordentlich zu langen, den 70km sind nicht gerade einmal nur um die Ecke gehen und an einem solchen Tag werden doch einige Kalorien verbrannt. Es war schon interessant zu sehen, wie schnell sich so ein Frühstücksbuffet leert, wenn 40 hungrige Läufer darüber herfallen. Die Hotelmitarbeiter waren die ganze Zeit bemüht alles immer und immer wieder aufzufüllen und so musste keiner von uns hungrig loslaufen

Nach dem Frühstück ging es noch schnell auf das Zimmer, die Softflasks befüllen und alles für den Lauf anzuziehen.

Pünktlich um 7:15 Uhr stand der Bus vor der Türe und sammelte alle Läufer ein. Die Fahrt zu Startpunkt dauerte eine gute Stunde und auch im Bus wurde sich wieder über den einen oder anderen Lauf ausgetauscht und gefachsimpelt. Der arme Busfahrer hatte am Ende anscheinend ziemlich mit seinem Navi zu kämpfen, welches die Strecke  nicht gerade bustauglich auswählte. Doch irgendwie gelangten wir zum Startpunkt und alle (auch die 50km Läufer) versammelten sich für ein kurzes Gruppenbild.

Um 8:40 Uhr war es dann soweit, Bert versuchte unsere Aufmerksamkeit zu bekommen und wollte von 3 herunterzählen, aber aus welchen Gründen auch immer, klappte das nicht so, wie er es sich vorstellte und so meinte er dann irgendwann: „Ach … lauft doch einfach los!“ Und so setzen sich 22 Läufer der 40 in Bewegung, um die 70km und 2100hm anzugehen.

Eines sei vielleicht an dieser Stelle hier noch erwähnt, bei diesem Lauf gibt es keinen durch den Veranstalter markierten Weg. Zur Orientierung dient die Ausschilderung des Taunus-Höhenweges (schwarzes T) und des Fernwanderweges E3 (blaues Kreuz) und wenn man wollte ein Navigationsgerät (Laufuhr oder ähnliches). Hier hieß es also auf der gesamten Strecke aufzupassen, um nicht vom Weg abzukommen.

Unser Weg führte uns zu Beginn durch ein kurzes Waldstück, was uns gleich aufzeigte wie die Bodenverhältnisse in den tieferen Regionen seien werden … matschig!

Kurz nach diesem Waldstück passierten wir den kleinen Ort Hausen an dessen Ortsausgang der Weg gleich wieder in den Wald führte und für uns auch die ersten Höhenmeter parat hielt. Wie vorher mit Thomas besprochen gingen wir fast jede Steigung und so auch diese. Kräfte sparten war angesagt, da der Weg noch lang sein würde. Nach guten 150 Höhenmetern hatten wir unseren ersten „Berg“, den Hausberg erklommen und unser Weg führte uns weiter über den Hainbuchenkopf nach Bodenrod.

TUT_2018_23

Die Streckenführung auf diesem ersten Teilstück war sehr abwechslungsreich und so ging es teils auf breiteren Waldwegen, teils auf Singeltrails immer weiter Richtung unseres ersten VPs. Kurz bevor wir den ersten VP erreichten hatten wir das erstemal mit den Auswirkungen des Sturms der letzten Woche zu kämpfen. Für uns war es noch relativ einfach diese Stelle zu passieren, konnten wir doch einfach untern den umgeknickten Bäumen hindurchkriechen. Doch ein Waldarbeiter wollte kurz nach uns damit beginnen die Bäume zu zerlegen, was den nachfolgenden Läufern Probleme bereiten würde, wäre der Durchgang dann an dieser Stelle unmöglich. Wie wir erfahren habe war es dann aber doch für alle möglich diese Stelle zu passieren.

Nach etwas mehr als 17km erreichten wir den ersten VP und wurden sofort mit allem versorgt was wir nur brauchten. Unsere Softflasks wurden mit heißem Tee aufgefüllt und zu Essen gab es alles was das Herz begehrte. Hunger hatte ich noch überhaupt keinen und hätte auch nichts runter bekommen, so reichten mir 2 Becher warmer Tee.

So gestärkt ging es auf unsere zweite Etappe Richtung des zweiten VP beim Freizeitpark Lochmühle. Schon früh war uns klar, dass wir den Lauf im Kopf in Etappen aufteilen mussten, um immer ein nahes Ziel vor Augen zu haben.

Schon kurz vor dem ersten VP hatte sich eine kleine Gruppe aus 5 Läufern und einem Hund Namens Moya (der erste Hund den ich kennengelernt habe, der eine eigene Facebook-Seite hat) gebildet, die alle ungefähr das gleiche Tempo anstrebten. Soviel kann ich schon verraten, diese Gruppe blieb bis zum Ziel zusammen. Wobei man „zusammen“ nicht so verstehen darf, dass wir immer im Knäuel gelaufen sind. Nein die Gruppe hat sich mal etwas auseinander gezogen, mal war der eine etwas weiter vorne mal der andere. Was sich in der Gruppe aber ziemlich gut entwickelt hat, war das Zusammenspiel. Wenn der Weg mal nicht so 100% klar war, haben wir bis zu 5 Meinungen gehabt und meistens gab es nur 1-2 die abweichten und so wurde sich auf den Großteil der Gruppe verlassen. Auch beim Laufen war es so, dass mal der eine mit dem gehen am Berg begonnen hat und mal der andere wieder den Antritt gestartet hat.

Nach dem VP ging es gleich mal wieder ein Stück den Berg hinauf, nichts schlimmes, aber wir gingen trotzdem und so hatten Thomas und ich zwischendurch auch immer mal wieder Zeit einen kleinen Schnipsel für einen geplanten Podcast über den lauf aufzunehmen.

TUT_2018_26

Die Wege verliefen über die nächsten 10km auf breiten Waldwegen und so waren die 200 hm, die auf diesem Stück zu überwinden waren auch größtenteils laufbar. Am Ende dieses 10km langen Anstieges erreichten wir die Ruinen Kapersburg. Es ist schön immer wieder auch an Stellen vorbeizukommen, wo es etwas zu sehen gibt.

TUT_2018_27

Nachdem der erste Halbmarathon nun bereits ein gutes Stück hinter uns lag, war es an der Zeit zu sehen, wie es Thomas bis jetzt so ergangen ist:

Mit soviel poistiver Energie und Spaß beim Laufen ging es weiter. Der Sonnenschein, den wir noch zu Beginn des Laufes genießen durften, wurde jetzt leider durch einen immer dichter werdenden Nebel verdrängt.

TUT_2018_28

Von der Kapersburg bis zum zweiten VP waren es noch einmal gute 7km und bei mir fühlten sich die Beine immer noch sehr gut an, bis auf ein so leichtes ziehen in der linken Kniekehle, was mich aber beim Laufen überhaupt nicht behindert hat.

TUT_2018_29

Auch am zweiten VP wurde wieder jeder unserer wünsche erfüllt und hier gab es sogar Radler und Bier, auf welches ich aber zu diesem frühen Zeitpunkt noch gerne verzichtete. Gegen einen Tee und ein Mars hatte ich aber nichts einzuwenden. Auch an diesem VP war die Stimmung wirklich super und nach einer kurzen Pause machten wir uns dann daran den Großen Feldberg (Höhe 881 Meter) in Angriff zu nehmen. Jetzt lagen gute 14km, mit so um die 550hm bis zum höchsten Punkt des gesamten Laufes, vor uns.

Schon von unten aus war klar, dass das Wetter oben etwas anders sein würde. Das Schneetreiben wurde dichter und alles verwandelte sich in ein Winter-Wonderland.

TUT_2018_19

Leider verließ die Strecke jetzt ab und zu den Wald und wir mussten immer wieder geteerte Passagen laufen.

TUT_2018_42

Doch kurz nach dem Römercastell Saalburg führte der Weg beim „Römischen Götterhimmel“ wieder in den Wald und ab hier wurde es langsam auch etwas steiler.

Ab jetzt begann der Streckenabschnitt auf den ich mich persönlich am meisten gefreut hatte, auch wenn ich diese Steigungen noch nicht alle Laufen kann, so machen sie mir langsam genau soviel Spaß, wie die daraus resultierenden Downhills.

Der Lauf hatte zwischendurch immer mal wieder etwas mystisches, denn auf dieser Höhe hingen die Wolken/der Nebel am Großen Feldberg.

Thomas hatte immer noch Elan und so nahmen wir auch auf diesem Teilstück wieder einen Schnipsel für den Podcast auf. Ich nehme mal an, dass es der erste Podcast-Schnipsel mit zugehörigem Bildmaterial vom Running-Podcast ist.

 

Kurz vor dem „Gipfel“ des Großen Feldbergs wurde die Zahl der Ausflügler etwas größer und wir bekamen so manch ungläubigen Blick, wie man bei einem solchen Wetter nur auf den Feldberg „joggen“ könne.

TUT_2018_34

Nachdem wir bereits fast 48km in den Beinen hatten, erreichten wir nach 6 Stunden den höchsten Punkt unseres Laufes, der knapp unter dem „Gipfel“ des Großen Feldbergs lag. Oben angekommen nahmen wir uns die Zeit für eine kurze Fotosession und waren  froh diese Herausforderung des Laufes hinter uns gebracht zu haben.

Da es hier oben aber doch recht zugig war und wir vom Aufstieg alle gut durchgeschwitzt waren, suchten wir schnell den richtigen Weg, um wieder weiter zu laufen. Die ersten Meter gingen noch ganz gut, doch dann verliefen wir uns ganz kurz. Zum Glück fiel es einem aus unserer Gruppe schon nach 100 Metern auf und so war es nicht allzu schlimm. Es war auch das einzigste mal an diesem Tag, dass wir einen falschen Abzweig genommen haben, die Team-Navigation klappte hervorragend. Also ein paar Meter zurück, ab auf den schmalen verschneiten Singeltrail und es endlich mal wieder etwas laufen lassen. Ok, wir haben hier nicht richtig Gas gegeben, denn noch lag ein guter Halbmarathon mit zwei kurzen Anstiegen vor uns. Den Beinen tat es aber einmal gut, dass es nicht bergauf ging.

Bis zum dritten VP ging es nur bergab und es waren wirklich erholsame 5km. Am eigentlich letzten VP versorgten wir uns noch einmal mit allem was wir für die letzten 18km brauchen würden. Als kleine Belohnung, für dass was wir bis jetzt geschafft hatten teilten wir uns zu dritt ein 0,33er Bier. Ok, nicht viel für jeden, aber es tat einfach gut!

TUT_2018_38

Da meine Handschuhe langsam feucht waren und meine Hände etwas kalt wurden wechselte ich hier schnell noch auf mein zweites Paar, welches ich vakuumiert und somit sehr trocken bei mir hatte. Nach ca. 5 Minuten Pause machten wir uns wieder auf den Weg.

Bis Kilometer 57,5 ging es weiterhin nur bergab und so kamen wir zwischendurch auch mal auf eine 5er Pace. Doch damit war es plötzlich vorbei, denn der Sturm der vergangenen Woche hatte hier seine Spuren hinterlassen und der eigentliche Weg war für gute 100 Meter unpassierbar. So hieß es also einen kleinen Hang nach oben klettern und die Sturmschäden zu umgehen.

Nachdem wir dieses Hindernis überwunden hatten ging es kurz darauf wieder nach oben und es hieß noch einmal 200hm auf den Atzelberg zu überwinden. Der 2km lange Aufstieg zog sich schon ganz schön hin und auch ich merkte, dass die Beine langsam immer müder wurden. Ich glaube jeder von uns war froh als wir die 200hm hinter uns gebracht hatten und wussten, dass jetzt nur noch ein Anstieg auf uns wartete.

TUT_2018_41

Ich war nach wie vor sehr froh, dass es immer noch hell war und so langsam wurde uns klar, dass wir nur die letzen 5-6 Kilometer mit der Stirnlampe zurücklegen müssten.

Hier im Wald erwischte uns dann noch irgendwo eine Wildtierkamera. Zum Glück war es keine Geschwindigkeitskontrolle, sonst hätten wir wegen Unterschreitung der Mindestgeschwindigkeit noch eine Strafe zahlen müssen.

TUT_2018_05

Bis nach Fischbach ging es wieder nur bergab und nach einer kurzen Ortsdurchquerung, kurz vor unserem letzten Anstieg, dann die Überraschung. Wie aus dem Nichts, standen plötzlich Bert und Jessyca vor uns und hatten einen ungeplanten VP ins Leben gerufen. Wir stärkten uns alle noch einmal kurz und machten uns dann auf den Weg diesen letzten kleinen, aber gemeinen Anstieg zu nehmen. Bei diesem Anstieg ging es gar nicht mehr um die Kraft in den Beinen, vielmehr um die Willenskraft einen Fuß vor den anderen zu setzen.

Oben angekommen war klar, jetzt nur noch 2,5km bergab in Ziel und wir hätten es geschafft. Und man merkte auch, dass jeder nur noch ins Ziel wollte und so ließen wir die Beine einfach nur laufen.

Im Ziel, am Waldhotel in Kelkheim, erwartete uns bereits Peter und klatschte einen nach dem anderen von uns ab.

Nach etwas unter neuen Stunden hatten wir die 70km und 2200hm geschafft. Dafür, dass wir das Ganze entspannt angegangen waren, eine super Zeit.

Die Zeitnahme erfolgte hier übrigens nicht mit einer Stoppuhr, nein jeder der das Ziel erreichte stempelte seine Zeit mit der abgebildeten Stempeluhr.

TUT_2018_21

Im Ziel-Hotel wartete jetzt eine warme Dusche auf uns und nochmal ein kleines Buffet zur Stärkung. Auch der Ausklang dieses Laufes war wie der Beginn, alle die bereits im Ziel waren saßen zusammen und tauschten sich über die vergangenen 70km aus.

Gegen 20:00 Uhr machte ich mich dann langsam auf den Weg in Richtung Heimat, lagen doch noch 250km Autobahn vor mir. Es ist schon schön eine auto mit DSG und Tempomat zu haben, da können sich die Beine schon auf der Heimfahrt regenerieren

Am Ende möchte ich mich auch noch einmal bei den weiteren 3 Läufern unserer kleinen Gruppe bedanken. Danke Christoph, Jürgen und Rainer es hat wahnsinnig viel Spaß gemacht mit Euch den Großteil dieser Strecke zusammen laufen zu dürfen!

Und natürlich am Ende auch eine riesiges Dankeschön an Thomas. Es war ein super Lauf mit Dir zusammen und ich hoffe wir haben wieder einmal die Gelegenheit, zu einem solchen Abenteuer.

TUT_2018_20

… and Keep on running!