„Laufen – Beten – Trinken“ … oder war es … „Trinken – Beten – Laufen“ ????

Wer hier am heiligen Berg zum Trail-Running kommt hat immer gleich mehrere Optionen seinen Tag zu gestalten.

Heute stand alles im Zeichen der 6ten Auflage des Andechs Trail und somit war die Reihenfolge klar:

Beten_Laufen_TrinkenBeten – Laufen – Trinken

Beim Andechs Trail werden derzeit zwei Strecken angeboten, einmal der „Beginner Trail“ der über ca. 8 km geht und dann noch der „Experten Trail“ über 15 km, für welchen ich mich auch angemeldet hatte.

Andechs liegt nun nicht gerade bei mir um die Ecke und so mahnte mich mein Wecker bereits um 5:45 Uhr zum aufstehen. Der Start war erst um 10:00 Uhr, doch gerade auf der Strecke von Erlangen Richtung München weiß man nie was einen so erwartet und so machte etwas mehr Puffer schon Sinn.

Da ich am Vortag schon alles vorbereitet hatte, machte ich mir nur noch ein schnelles Frühstück und einen starken Kaffee für unterwegs und schon befand ich mich auf meiner 230km langen Anreise. Und wie es immer so ist, wenn man ich genügend Puffer einplant, läuft alles glatt und so konnte ich ganz entspannt fahren und sogar noch eine Pause unterwegs machen. Ich erreichte den Parkplatz unterhalb des Klosters Andechs gegen 8:40 Uhr und es war noch recht friedlich, erst ein paar Autos säumten den Parkplatz.

Mein erster Weg führte mich direkt zur Startnummernausgabe, wo so gut wie gar nichts los war.

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Jetzt hatte ich noch über eine Stunde Zeit bis zum Start des Experten Trails über gute 15 km, also blieb noch Zeit sich das Kloster etwas näher anzusehen, war mein letzter Besuch hier doch schon zwei Jahrzehnte her.

Hier ein paar Bilder der Klosterkirche, wo ich mir selbstverständlich auch den Segen (Beten) für einen guten Lauf abgeholt habe.

Auch der spätere Zielbereich, leicht unterhalb der Klosterkirche, war schon vorbereitet.

Neben den vielen verschiedenen Kuchen, stand auch schon das Finisher-Bier bereit, doch das musste noch etwas warten.

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Jetzt ging es doch langsam auf den Start zu und wir hatten echt Glück mit dem Wetter. War die letzte Woche das Wetter doch noch ehr schlecht als recht, zeigte sich heute Morgen sogar die Sonne und das Termomenter war zumindest auf 9 Grad gestiegen.

Jetzt kurz vor dem Start war auf dem Parkplatz richtig was los und ich war froh mir meine Startnummer schon früh abgeholt zu haben, da die Schlange nun doch eine beachtliche Länge hatte.

Schnell noch 2 km aufgewärmt und schon war es 9:55 Uhr und der Veranstalter bat alle Teilnehmer des Experten Trails sich mal so langsam an der Startlinie einzufinden (… typisch Trailrunner, da hat und macht keiner Stress), der Beginner Trail startete von gleicher Stelle nur 10 Minuten später.

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Ich sortierte mich im vorderen Drittel des Starterfeldes ein, denn ich wusste, hier ist es nicht angesagt ganz gemächlich zu starten, da man sonst auf den Single Trails Probleme haben würde sich, weiter nach vorne zu arbeiten.

Kaum war der Lauf freigegeben setzte sich das über 200 Teilnehmer große Feld des Experten Trail in Bewegung und die Spitze gab gleich mal richtig Gas. Ich schätze mal, dass die Anfangspace im Spitzenfeld bei 3:15 – 3:45 min/km lag und selbst ich war mit meinen 4:15 min/km auf dem ersten Kilometer für mich selbst viel zu schnell unterwegs. Doch gerade dieser erste Kilometer war extrem wichtig sich richtig im Teilnehmerfeld einzusortieren, war man hier doch noch auf einem breiten Schotterweg unterwegs und konnte überholen und sich auch ohne Probleme überholen lassen.

Bilder bereitgestellt vom Andechs Trail Team

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Nach guten 1,5 km ging es dann von der Schotterpiste auf die Trails und die waren wirklich erste Sahne. Platz für einen Läufer, schnelle Richtungswechsel, immer etwas rauf und runter und oft mit Wurzeln gespickt. Hier hieß es mit voller Konzentration zu laufen, um ja nicht zu stürzen, was ich vor mir während dem gesamten Lauf leider immer wieder beobachten musste.

Nach insgesamt 3 km war mein Puls in einem Bereich, der mir gar nicht gefallen hat, um hier wirklich durchlaufen zu können, beschloss ich die Geschwindigkeit etwas herauszunehmen, um meinen Puls wieder in einen annehmbaren Bereich zu bringen. Anscheinend ging es nicht nur mir so, den die paar Läufer die unmittelbar hinter mir waren, machten auch keinen Anstanden mich zu überholen.

Bei Kilometer 6 verlässt die Strecke für einige Zeit wieder den Wald und auch die Wege werden wieder breiter. Auf dem breiten Weg, schlossen zwei andere Läufer zu mir auf und wir tauschten uns kurz über die bereits absolvierte Strecke aus. Schon von weitem konnte man die Teilnehmer des Beginner Trails sehen, dessen Strecke sich mit unserer bei Kilometer 5,9 vereinten und nun für ca. 4 km gemeinsam verlief.

Platz zum überholen war auf diesem Teilstück der Strecke nun wieder genug und so konnten einige Teilnehmer des Beginner Trails auch ohne Probleme überholt werden.

Andechs Trail 2017 #6

Bild bereitgestellt von Wolfgang Weinmann

Viele Höhenmeter hatten wir bis jetzt nicht überwunden, dass sollte sich aber nach der Verpflegungsstelle bei Kilometer 7 ändern. Hier ging es dann wieder in den Wald, die Pfade schmaler und das Überholen schwieriger. Da wir hier aber bei einem Trail Rennen sind wo nicht gepöpelt und gerämpelt wird, reicht immer ein kurz gerufenes „Links“ und schon bekommt man den Platz zum Überholen den man braucht, meist noch gefolgt von ein paar aufmunternden Worte.

Andechs Trail 2017 #4

Bild bereitgestellt vom Andechs Trail Team

Die Strecke führte jetzt wieder über wunderbare Singletrails Richtung Ochsengraben, wo uns laut Veranstalter noch eine Überraschung erwarten sollte. Ich muss aber gestehen, ich habe diese angekündigte Überraschung leider nicht wahrgenommen, vielleicht war ich zu sehr damit beschäftigt keinen falschen Schritt zu machen, denn auch hier war der Weg wieder mit Wurzeln gepflastert.

Nach dem Ochsengraben kam dann die erste Steigung, welche aber gut laufbar war und bei Kilometer 10 trennten sich wieder die Wege der Beginner und Experten. Für uns ging es weiter bergauf, zu Beginn noch über schmale technisch anspruchsvolle Singletrails und dann ein gutes Stück auf einem breiten Forstweg. Obwohl wir bis jetzt nur wenig Höhenmeter gesammelt hatten wurde die Beine schwerer und ich musste meinen inneren Schweinehund überwinden nicht langsamer zu werden, bzw. zu gehen.

Oben an der höchsten Stelle dieses Teilabschnitts angekommen, gab es ein paar aufmunternde Worte der Streckenposten bevor wir uns den 1 km  langen Downhill herunterstürzen. Sich auszuruhen war hier auch fast nicht möglich musste man nach wie vor höchst Aufmerksam sein. Auf dem Downhill Stück konnte ich auch fast auf  zwei vor mir laufende Läufer aufschließen, was ganz gut war, so hatte ich auf dem nachfolgenden Bergaufstück einen guten Anreiz nicht nachzulassen. Einen der beiden konnte ich dann ca. 1,5 km vor dem Ziel überholen, der andere war noch in Sichtweite und hatte auf die zweit schnellste Frau aufgeschlossen.

Ich wusste, dass jetzt noch ein kurzes steiles Downhillstück kommen würde und hoffte hier noch mal richtig Gas geben zu können. Doch leider ging es hier Treppen herunter, wobei die Abstände zwischen den Stufen stark variierten und es unmöglich war  hier gleichmäßig runter zu laufen/springen.

Zu Beginn des letzten Anstieges konnte ich dann zu den beiden vor mir laufenden aufschließen und sie kurzzeitig überholen, musste dann aber doch ins Gehen übergehen da meine Beine nicht mehr so recht wollten. Die Beiden passierten mich wieder und erst als die zweitschnellste Frau mich noch mal anfeuerte, lief ich wieder los und erreichte das Ziel kurz hinter den Beiden.

Im Zielbereich war schon mächtig was los, ich griff mir erstmal einen Becher lauwarmen Tee und ließ mich auf eine Mauer nieder um durchzuschnaufen.

Im Anschluß versorgte ich mich noch mit Kuchen und zum Trinken sollte es dann noch ein Finisher-Bier sein. Der Kuchen war super lecker, nur von dem Bier bekam ich fast nichts runter und so beschloss ich lieber mir eine geschlossene Flasche als Andenken an den heutigen Lauf mitzunehmen.

Nach ein paar kurzen Gesprächen mit anderen Läufern machte ich mich auf den Weg um meine Rückreise anzutreten.

Wer ein gut organisiertes, kleines und feines Event sucht, ist hier genau richtig. Mal sehen, vielleicht komme ich nächstes Jahr wieder.

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Das Bier ist immer noch verschlossen, mal sehen wie lange ich widerstehen kann.

… KEEP ON RUNNING